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Chef oder Brandbeschleuniger? Wenn Führung Stresssysteme aktiviert.

Aktualisiert: 1. März

Wenn Führung Stresssysteme aktiviert.

Führung unter Druck: Warum manche Chefs mehr Schaden anrichten, als sie denken.

Psychische Belastung durch Führung entsteht oft schleichend – und bleibt lange unerkannt. Was zunächst wie "schwieriges Verhalten" wirkt, kann sich zu dauerhaftem Stress, innerer Anspannung und gesundheitlichen Beschwerden entwickeln.

Viele Betroffene erleben respektloses, kontrollierendes oder emotional kaltes Führungsverhalten. Die psychische Belastung durch Führung zeigt sich nicht nur im Denken und Fühlen, sondern häufig auch im Körper – mit Schlafproblemen, Erschöpfung oder dauerhafter innerer Unruhe.

Doch was steckt hinter toxischem Führungsverhalten? Woran erkennt man psychische Angriffe – und was kann man tun, wenn man selbst betroffen ist?

Die meisten Führungskräfte wollen keine Menschen krank machen. Was als „konsequente Führung“ gemeint ist, wird im Alltag schnell zum psychosozialen Risikofaktor. In der psychischen Gefährdungsbeurteilung zeigt sich immer wieder: Nicht die Arbeitsmenge allein macht krank.

Es sind fehlende Wertschätzung, widersprüchliche Erwartungen, mangelnde Handlungsspielräume und ein Führungsstil, der Druck verstärkt statt Orientierung gibt.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht: „Sind unsere Mitarbeitenden belastbar genug?“ Sondern: „Wie wirkt Führung tatsächlich – und welche Risiken erzeugt sie möglicherweise selbst?“

Inhalt


1. Wenn Führungsverhalten zur psychischen Belastung wird.


Bei der psychischen Gefährdungsermittlung in Unternehmen erlebe ich immer wieder dasselbe Muster: Hoher Druck von oben erzeugt Druck nach unten - und irgendwann reagiert das gesamte System. Dauerhafte Erreichbarkeit. Widersprüchliche Erwartungen. Kritik ohne Orientierung. Kontrolle statt Vertrauen. Das Stresssystem der Mitarbeitenden bleibt im Alarmzustand. Konzentration sinkt. Fehler häufen sich. Krankenstände steigen.


Viele Unternehmen unterschätzen, wie stark sich Führungsstil auf Motivation, Fehlzeiten und Leistungsfähigkeit auswirkt. Wer das Arbeitsklima verbessern und die Krankentage nachhaltig reduzieren möchte, sollte Führung als zentralen Hebel verstehen – nicht als Randthema.



2. Praxisbeispiel: Aus eigener Erfahrung


Im Arbeitsleben begegnet einem nicht nur Kompetenz – sondern auch gekränktes Ego auf zwei Beinen.

  • Eine frisch beförderte Vorgesetzte, vormals aus den eigenen Reihen, verlangte meinen Bürostuhl. Nicht aus gesundheitlichen Gründen. Sondern weil sie jetzt "Chefin" war und es konnte.

  • Ein anderer bat ausdrücklich um meine fachliche Expertise – nur um meine Ideen später als seine eigenen zu verkaufen.

Das sind keine Anekdoten aus einem schlechten Film. Das ist gelebter Führungsalltag.


Und genau hier entsteht psychische Belastung: Nicht durch Arbeit. Sondern durch Machtspielchen, fehlende Integrität und Führung ohne innere Reife.

Wenn Führungsverhalten zum Selbstzweck wird, zahlen Mitarbeitende den Preis – mit Motivation, Vertrauen und oft auch mit ihrer Gesundheit.


Und jetzt kommt meist die nächste Frage: Warum hat eigentlich niemand aus der Personalverantwortung gegengesteuert?


Die Antwort ist unbequem. Wer jemanden befördert oder eingestellt hat, gibt ungern zu, dass es ein Fehler war. Schließlich hängt an jeder Personalentscheidung auch das eigene Urteil. Die eigene Einschätzung. Die eigene Reputation. Also wird relativiert. Beschwichtigt. Abgewartet.


  • "So schlimm ist es doch nicht."

  • "Das wächst sich aus."

  • "Da müssen die Mitarbeitenden eben resilienter werden."


Und während man noch diskutiert, steigt die psychische Belastung im Team. Nicht, weil niemand es merkt. Sondern weil niemand der Erste sein will, der sagt: Hier läuft etwas grundlegend schief. Führung darf Fehler machen. Organisationen dürfen es nicht dauerhaft ignorieren.



3. Viele Menschen erleben Führungskräfte als respektlos, kontrollierend oder kalt – und fragen sich: Warum sind die so?


Es gibt nicht den einen Grund, sondern mehrere psychologische und strukturelle Faktoren, die zusammenspielen können. Für Sie die wichtigsten zusammengefasst:


1. Macht verändert Verhalten

Wenn Menschen Macht bekommen, verändert das oft ihr Denken:

  • Weniger Empathie

  • Höheres Sicherheitsgefühl

  • Geringere Selbstreflexion

  • Mehr Impulsivität

Studien zeigen: Wer sich mächtig fühlt, nimmt andere schneller als „Ressource“ statt als Mensch wahr. Das passiert oft schleichend – nicht immer bewusst.

Was geht im Kopf vor? Ich trage die Verantwortung. Ich weiß es besser. Die anderen müssen funktionieren.


2. Eigene Unsicherheit

Manche Chefs wirken dominant oder abwertend, weil sie sich innerlich unsicher fühlen.

Typische Gedanken:

  • „Wenn ich Schwäche zeige, verliere ich Respekt.“

  • „Ich darf mir keinen Fehler leisten.“

  • „Die könnten merken, dass ich nicht alles weiß.“

Dann wird Kontrolle zum Schutzmechanismus.


3. Druck von oben

Viele Führungskräfte stehen selbst unter massivem Druck:

  • Leistungsziele

  • Umsatzvorgaben

  • Personalkürzungen

  • Konkurrenz

Frust wird dann nach unten weitergegeben – klassisches Druckventil-Prinzip.

Innen kann es eher so klingen: Ich muss Ergebnisse liefern, egal wie.


4. Gelerntes Führungsverhalten

Manche Chefs hatten selbst schlechte Vorgesetzte und haben unbewusst übernommen:

  • Härte = Stärke

  • Kritik = Motivation

  • Nähe = Schwäche

Sie kennen es schlicht nicht anders.


5. Narzisstische, toxische oder problematische Persönlichkeitszüge

Es gibt auch Fälle, in denen wirklich problematische Charakterzüge eine Rolle spielen:

  • Starkes Bedürfnis nach Bewunderung

  • Geringe Kritikfähigkeit

  • Hohe Kränkbarkeit

  • Abwertung anderer zur Selbstaufwertung

Das ist aber nicht die Mehrheit, auch wenn es sich im Alltag so anfühlen kann.


6. Fehlende Führungskompetenz

Know-how macht noch keine Führungskraft.

Viele werden Chef, weil sie fachlich stark sind – nicht weil sie mit Menschen umgehen können.

Führung erfordert:

  • Emotionale Intelligenz

  • Konfliktfähigkeit

  • Selbstreflexion

  • Kommunikationskompetenz

Das wird oft nicht ausreichend oder gar nicht gelernt.



4. Was geht emotional in Chefs vor?


Je nach Typ können das sein:

  • Angst vor Kontrollverlust

  • Versagensangst

  • Machtgefühl

  • Überforderung

  • Ego-Bedrohung

  • Konkurrenzdenken

Nach außen wirkt das dann wie:

  • Arroganz

  • Unnahbarkeit

  • Härte

  • Ungerechtigkeit



5. Was oft hinter diesem Verhalten steckt.


Wenn jemand dauerhaft:

  • abwertet

  • manipuliert

  • Schuld umkehrt

  • Druck ausübt

  • kontrolliert

  • keine Kritik erträgt


1. Fragiles Selbstwertgefühl

Nach außen: Überlegenheit / nach innen: Große Unsicherheit

Solche Menschen erleben andere nicht als Team, sondern als Bedrohung oder Konkurrenz.

Innerer Gedanke: Wenn du glänzt, verliere ich.


2. Starkes Macht- und Kontrollbedürfnis

Kontrolle gibt Sicherheit. Deshalb:

  • Mikromanagement

  • Misstrauen

  • öffentliche Kritik

  • Informationszurückhaltung

Es geht weniger um Leistung – mehr um Dominanz.


3. Projektion

Eigene Fehler werden anderen zugeschoben.

Beispiel: Chef macht Planungsfehler → du bist „nicht organisiert“.

Das schützt das eigene Ego.


4. Emotionale Unreife

Keine Selbstreflexion. Keine Verantwortung für eigenes Verhalten. Keine echte Empathie.



6. Woran man erkennt, dass es psychische Angriffe sind.


Es geht über "streng sein" hinaus, wenn zum Beispiel:

  • systematisch Ihr Selbstwert untergraben wird

  • Sie öffentlich bloßgestellt werden

  • Ihre Leistungen verdreht oder unsichtbar gemacht werden

  • Sie ständig mit subtiler Kritik oder Drohungen konfrontiert werden

  • Aussagen verdreht werden („Das habe ich nie gesagt“)

  • Sie Angst vor Gesprächen mit der Person haben

Als Betroffener sind Sie innerlich ständig in Alarmbereitschaft.

So ist Ihr Nervensystem längst im Stressmodus.


7. Was bei narzisstisch-toxischen Mustern im Kopf dieser Person passieren kann.


Toxische Muster erkennen:

  • Erst loben, dann plötzlich entwerten

  • Dinge bestreiten, die er/sie gesagt hat („Das habe ich nie so gesagt“)

  • Mitarbeitende gegeneinander ausspielen

  • Angstkultur erzeugen

  • Kritik als Angriff erleben und werten

  • Grenzen nicht respektiere

  • Kontrolle gibt Sicherheit

  • Andere klein halten stabilisiert das eigene Ego

  • Empathie ist unterentwickelt oder selektiv

Solche Menschen regulieren ihr Selbstwertgefühl über Dominanz.



8. Was passiert im Körper des Betroffenen?


Wenn Sie die Person sehen und Ihnen wird übel, eng oder schwindelig, läuft ungefähr folgendes ab:

  • Ihr Gehirn erkennt: "Gefahr"

  • Stresshormone werden ausgeschüttet

  • Herzschlag steigt, somit auch der Blutdruck

  • Magen-Darm reagiert

  • Konzentrationsprobleme entwickeln sich

  • Muskeln spannen sich an


Das ist die klassische "Fight-Flight-Freeze-Reaktion".

Ihr Nervensystem hat diese Person als Bedrohung abgespeichert.

Jedes Mal, wenn diese Person den Raum betritt, reagiert Ihr Gehirn schneller als Ihr Verstand.


Alarm. Vorsicht. Gefahr.


Der Körper folgt unmittelbar: Muskelverspannungen, Kopfschmerzen, flacher Atem, innere Anspannung. Noch bevor ein Wort gefallen ist, läuft das Stresssystem auf Hochtouren.

Das ist kein Zufall. Das ist psychische Belastung durch Führung – biologisch messbar.


Wichtig: Das ist ernstzunehmend!

Wenn Ihr Körper bereits so reagiert, ist das eine Belastung, die langfristig zu:

  • Burnout

  • Angststörungen

  • Depression

  • psychosomatischen Beschwerden

führen kann.


Und genau hier beginnt psychische Gefährdung am Arbeitsplatz.


9. Typische Merkmale einer toxischen Abteilung.


Typische Merkmale einer toxischen Abteilung:

  • Hoher Krankenstand

  • Flurfunk statt offener Kommunikation

  • "Bloß nicht auffallen"

  • Angst vor Meetings

  • Meetings bleiben erfolglos oder kommen zu keinem Ergebnis

  • Viele wechseln intern oder kündigen

  • Niemand widerspricht offen

Das ist dann kein individuelles Problem mehr, sondern eine Führungsschieflage.



10. Fazit | Was viele unterschätzen: Führung ist kein „weicher Faktor“. Sie ist ein messbarer Belastungsfaktor. In der psychischen Gefährdungsbeurteilung wird genau das sichtbar. Nicht als persönliche Schuldzuweisung – sondern als strukturelles Risiko. Und genau hier liegt der Hebel: Führung kann Stress verstärken. Oder Stress reduzieren.


Die entscheidende Frage lautet daher: Wissen Ihre Führungskräfte eigentlich, wie stark ihr Verhalten auf die psychische Gesundheit wirkt?

Wenn Sie merken, dass Führung in Ihrem Unternehmen eher Druck erzeugt (z.B. hoher Krankenstand) als Orientierung gibt, dann lohnt sich ein genauer Blick.


In meinen Workshops zur psychischen Gefährdungsbeurteilung analysieren wir nicht nur Belastungen – wir entwickeln konkrete, umsetzbare Schritte für gesundheitsförderliche Führung.





11. Was kann ich unternehmen, wenn es mich betrifft?

Holen Sie sich konkrete Tipps und Formulierungen, um Konfliktgespräche mit Ihrer Führungskraft zu entschärfen – ohne von Ihrem Standpunkt abzurücken.


Sofort einsetzbare Sätze, um Spannungen zu lösen – ohne sich klein zu machen.




Wenn Sie wissen möchten, wie Sie Führung als Schutzfaktor statt als Risiko gestalten, sprechen Sie mich an.

 
 
 

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