PERFEKTIONISMUNS im Job - gilt häufig als Bewältigungsstrategie.
- Norma Sachse

- 31. Mai
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 1. Juni

»PERFEKTIONISMUS« und »SMILING DEPRESSION«.
Wirken nach außen völlig unterschiedlich — haben aber häufig dieselbe Ursache: permanentes Funktionieren unter Druck. Dahinter stecken oft die selben Bedürfnisse: Anerkennung. Wertschätzung. Gesehen werden.
Viele Betroffene wirken nach außen aktiv, leistungsfähig und engagiert. Sie übernehmen viel, starten neue Projekte und erscheinen ständig beschäftigt. Gerade das macht ihre Belastung so schwer erkennbar.
»PERFEKTIONISMUS« wird im Job gefeiert. Bis die Erschöpfung nicht mehr verborgen werden kann.
Menschen mit einer versteckten Depression entwickeln oft einen starken Drang nach Perfektion. Gemeint ist damit nicht gesunder Ehrgeiz, sondern ein Muster, das dauerhaft unter Druck setzt und kaum Raum für Entlastung lässt.
»PERFEKTIONISMUS« gilt oft als Bewältigungsstrategie.
Er kann helfen, ein fragiles Selbstwertgefühl zu stabilisieren. Psychologisch gesehen ist es weniger ein »hoher Anspruch«, sondern eher ein Versuch, Unsicherheit, Angst oder das Gefühl von »nicht genug sein« zu kontrollieren.
Dahinter steckt häufig die Überzeugung, alles richtig zu machen und nicht selten ein stiller innerer Satz:
Erst wenn ich perfekt bin, bin ich liebenswert / anerkannt / nicht abgelehnt.
Ich bin nur wertvoll, wenn ich leiste.
Ich darf keine Fehler machen und muss alles im Griff haben.
Die Folge sind überhöhte Ansprüche an sich selbst, volle Aufgabenlisten und ein Alltag, in dem kaum noch Pause möglich ist – willkommen in der Burnout-Spirale.
Das macht deutlich, worum es bei psychischen Belastungen im Arbeitskontext wirklich geht: nicht nur um Aufgaben, Prozesse oder Arbeitsmenge, sondern auch um das, was Menschen innerlich antreibt und was sie mit großer Kraft verbergen.
Hier wird die Wichtigkeit der psychischen Gefährdungsbeurteilung sehr deutlich.
Inhalt
Perfektionismus überwinden: Der Ausweg aus der Perfektionismus-Spirale.
Perfektionismus loslassen: Mit dem »Pareto-Prinzip« effizienter arbeiten.
So kann ich einen Perfektionisten als "Betr. Präventionscoach" begleiten
1. Basismerkmale der PERFEKTION und typische Aussagen, hinter den mehr als nur Tatendrang stehen kann.
Betont regelmäßig, wie „busy“ der Alltag gerade ist – meistens direkt gefolgt von „aber ich liebe es“.
Erzählt gerne, wie voll der Kalender ist, als wäre Stress ein Statussymbol.
Vermittelt das Gefühl, dass ein freier Abend fast schon verschwendete Zeit wäre.
Verbindet ein hektisches Leben mit Sinn, Motivation und Selbstbestätigung.
Präsentiert Dauerstress gerne als Ausdruck von Leidenschaft und Ambition.
Definiert sich stark über Produktivität und Aktivität.
Ist gleichzeitig in zehn verschiedenen Themen unterwegs und wirkt trotzdem überzeugt, alles im Griff zu haben.
Typische innere Dynamiken im Erwachsenenalter:
Starke Angst vor Fehlern oder Bewertung.
Chronisches Gefühl, nie genug zu tun.
Schwierigkeiten mit Ruhe und Nichtstun.
Selbstkritik statt Selbstmitgefühl.
Überidentifikation mit Leistung und Produktivität.
Daueranspannung, Kontrollbedürfnis, Erschöpfung.
Probleme, Grenzen zu setzen oder Hilfe anzunehmen.
Viele perfektionistische Menschen wirken nach außen sehr erfolgreich, innerlich erleben sie aber oft:
Angst zu versagen.
Angst, enttäuschend zu sein.
Angst, „entlarvt“ zu werden.
Das Gefühl, sich Liebe oder Anerkennung ständig verdienen zu müssen.
Deshalb ist PERFEKTIONISMUS oft keine Stärke im eigentlichen Sinn, sondern eine Schutzstrategie, die früher sinnvoll war - heute aber häufig Stress, Überforderung und innere Unruhe erzeugt.
Viele Führungskräfte verstecken sich hinter ihrem Perfektionismus. Sie sagen dann zum Beispiel: „Ich werde dafür bezahlt, dass die Aufgaben in meiner Abteilung perfekt erledigt werden.“ Dadurch entsteht nicht nur bei der Führungskraft selbst ein starker innerer Druck. Oft überträgt sich dieser Anspruch auch auf die Mitarbeitenden.
Die Folge sind häufig Spannungen im Team, Disharmonie und im schlimmsten Fall eine innere Kündigung bei Mitarbeitenden.
Auffällig ist: Eine Person wirkt erfolgreich und kontrolliert, steht jedoch unter ständigem innerem Druck, alles perfekt machen zu müssen. Hinter dem Streben nach Perfektion verbirgt sich oft Stress, Selbstzweifel und die Angst vor Fehlern.
Diese Belastungen zeigen sich nicht immer sofort in Krankheitstagen. Stattdessen entstehen schleichend Überforderung, Frust und Erschöpfung im Team, während bei der Führungskraft oft deutliche Burn-out-Tendenzen sichtbar werden.
»PERFEKTIONISMUS« erkennen: Hohe Ansprüche an sich selbst führen zu Stress, Überforderung und psychischer Belastung.
Eine gut durchgeführte psychische Gefährdungsbeurteilung hilft dabei, solche Belastungen frühzeitig zu erkennen und sauber zu dokumentieren. Auf dieser Grundlage können Unternehmen gezielt Maßnahmen entwickeln und für Entlastung sorgen.
2. Häufige Hintergründe liegen in der Kindheit.
Liebe oder Anerkennung war stark an Leistung gekoppelt („Ich wurde gesehen, wenn ich gut war.“).
Hohe Erwartungen der Eltern. Viel Lob für Erfolg, wenig Raum für Schwäche, Fehler oder Durchschnittlichkeit.
Kritik, Beschämung oder emotionale Härte Fehler wurden stark bewertet oder mit Liebesentzug, Enttäuschung oder Druck verbunden.
Unberechenbare Umgebung Kinder entwickeln Kontrolle und Perfektionismus oft als Sicherheitsstrategie.
Parentifizierung: das Kind musste früh „funktionieren“, Verantwortung übernehmen oder emotional stark sein.
Vergleich mit Geschwistern oder anderen Kindern. Das Gefühl: „Ich muss besser sein, um genug zu sein.“
Wenig emotionale Bestätigung. Leistung wurde gesehen, Gefühle weniger.
Chaos oder Konflikte in der Familie. Perfektion kann ein Versuch sein, Ordnung und Kontrolle herzustellen.
Lob für Anpassung und Funktionieren. Das „brave“, leistungsstarke Kind wird bewundert und lernt: Anpassung bringt Sicherheit.
3. Perfektionismus überwinden: Der Ausweg aus der Perfektionismus-Spirale.
Sich bewusst machen, dass „ständig beschäftigt sein“ nicht automatisch bedeutet, erfolgreich oder erfüllt zu sein.
Lernen zwischen echten Prioritäten und bloßer Beschäftigung zu unterscheiden.
Projekte bewusst zu begrenzen: Lieber wenige Dinge gut machen als alles gleichzeitig anfangen.
Akzeptieren, dass nicht jede Idee sofort umgesetzt werden muss.
Sich erlauben, Dinge „gut genug“ statt perfekt zu machen.
Freie Zeit nicht als Produktivitätsverlust sehen, sondern als notwendige Erholung.
Regelmäßig prüfen: Mache ich das wirklich aus Freude – oder um Anerkennung zu bekommen?
Klare Grenzen setzen und bewusst „Nein“ zu neuen Verpflichtungen sagen.
Erfolg nicht nur über Leistung definieren, sondern auch über Zufriedenheit, Gesundheit und Beziehungen.
Den eigenen Selbstwert weniger an Output und Dauerstress koppeln.
Pausen ohne schlechtes Gewissen einplanen.
Lernen, dass Ruhe nicht Faulheit ist.
Sich auf einen Fokus gleichzeitig konzentrieren, statt permanent zwischen Projekten zu springen.

Offen akzeptieren, dass niemand alles perfekt kontrollieren kann.
Mit kleinen Experimenten anfangen: etwas absichtlich unperfekt lassen und beobachten, dass nichts Schlimmes passiert.
4. Perfektionismus loslassen: Mit dem Pareto-Prinzip effizienter arbeiten.
Perfektionismus ist unwirtschaftlich, unklug, unproduktiv und verursacht Stress.

5. Stressfrei mit dem GSP »Gut statt perfekt - Prinzip«
Perfektionismus bremst, macht unzufrieden und kostet Zeit. Er ist keine Stärke, sondern eine Schwäche.

Gewöhn dir an, Aufgaben nach dem GSP »Gut statt perfekt – Prinzip« zu erledigen und halte dich nicht mit Feinheiten auf, die in keinem vernünftigen Verhältnis zum Ergebnis stehen. Löse dich von dem Anspruch auf die perfekte Erledigung deiner Arbeit und begnüge dich damit, etwas «gut» gemacht zu haben.
Die unmittelbaren Vorteile:
Schnellere Aufgabenerledigung
Zufriedenheit mit sich selbst
Mehr Zeitressourcen
Investition für lohnende Aufgaben
Weniger Micromanagement
6. So kann ich einen Perfektionisten als "Betr. Präventionscoach" begleiten:
Verständnis zeigen, ohne das Verhalten zu glorifizieren („Du, musst nicht immer funktionieren, um wertvoll zu sein.“).
Nicht den Stress bewundern („Wow, wie schaffst du das alles?“), weil das den Perfektionismus oft verstärkt.
Hinterfragen helfen: „Wovor hast du Angst, wenn du mal nichts machst?“
Den Zusammenhang zwischen Selbstwert und Leistung sichtbar machen.
Hilfe/helfen zu erkennen, dass permanentes Beschäftigtsein auch eine Form von Vermeidung sein kann (z. B. von Unsicherheit, Leere oder Kontrollverlust).
Gefühle stärker in den Fokus bringen statt nur Ergebnisse und Projekte.
Ruhephasen emotional absichern: Viele Perfektionisten erleben Stillstand zunächst als unangenehm oder bedrohlich.
Kleine Erfahrungen mit "Unperfektheit" fördern, damit die Person merkt, dass Anerkennung und Beziehungen trotzdem bestehen bleiben.
Nicht nur Ziele besprechen, sondern auch Erschöpfung, Druck und innere Antreiber.
Sprachlich entkoppeln: weg von „Ich bin nur gut, wenn ich leiste“ hin zu „Ich darf auch ohne Leistung okay sein“.
Helfen, echte Bedürfnisse hinter dem Dauerfunktionieren zu erkennen (Anerkennung, Kontrolle, Sicherheit, Zugehörigkeit).
Aufmerksamkeit auf Körperreaktionen lenken: Schlaf, Anspannung, Reizbarkeit, innere Unruhe.
Reflexionsfragen stellen:
- „Wann fühlst du dich wertvoll?“
- „Wer wärst du ohne all diese Projekte?“
- „Was passiert innerlich, wenn nichts zu tun ist?“
Erfolge nicht nur an Produktivität koppeln, sondern auch an Selbstfürsorge, Grenzen und emotionale Stabilität.
Vorleben, dass Gelassenheit, Fokus und Pausen keine Schwäche sind.
Bei starkem Leidensdruck oder Burn-out-Tendenzen auch therapeutische Unterstützung anregen.
7. Eine korrekt durchgeführte psychische Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG macht Anzeichen von Perfektionismus und Burnout sichtbar.
Die Arbeitgeber sind verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Diese Verpflichtung umfasst ausdrücklich auch die Ermittlung und Bewertung psychischer Belastungen bei der Arbeit. Das gilt auch für Führungskräfte (Perfektionismus & Burnout)!
Die gesetzliche Grundlage ergibt sich insbesondere aus § 5 Abs. 3 Nr. 6 ArbSchG, wonach Gefährdungen berücksichtigt werden müssen, die sich aus „psychischen Belastungen bei der Arbeit“ ergeben. Der Arbeitgeber hat daher geeignete Maßnahmen zu treffen, um psychische Gesundheitsgefährdungen zu erkennen, zu bewerten und erforderlichenfalls zu minimieren.
Die Durchführung einer psychischen Gefährdungsbeurteilung ist somit keine freiwillige Maßnahme, sondern eine gesetzlich vorgeschriebene Pflicht des Arbeitgebers.
8. Fazit
Perfektionismus kann bearbeitet werden. Der erste und oft schwerste Schritt besteht darin, sich überhaupt bewusst zu machen, was Perfektionismus alles auslösen kann - sowohl für das Umfeld als auch für die betroffene Person selbst.
Die psychische Gefährdungsbeurteilung hilft Unternehmen dabei, psychische Belastungen, wie Perfektionismus frühzeitig sichtbar zu machen und Burnout vorzubeugen.


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