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Zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Wenn Führungskräfte über New Work sprechen

„Also ehrlich gesagt – für mich klingt das alles nach schöner Theorie“, sagte der Personalreferent, als wir im Seminar über New Work diskutierten. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück, verschränkte die Arme und schaute in die Runde. Einige nickten, andere hoben fragend die Augenbrauen. Es war dieser Moment, in dem spürbar wurde: Das Thema bewegt – und polarisiert.

Ich leitete die Diskussion und merkte schnell, dass die Skepsis weniger mit dem Konzept selbst zu tun hatte, sondern mit der Unsicherheit, was New Work im eigenen Unternehmen konkret bedeuten soll.Weniger Hierarchie, mehr Selbstverantwortung – klingt gut.Aber wer trägt am Ende die Verantwortung, wenn etwas schiefläuft?Mehr Flexibilität – schön und gut.Aber wie lässt sich das mit betrieblicher Planungssicherheit und Arbeitsschutz vereinbaren?

Diese Fragen zeigten mir: Zwischen Anspruch und Realität von New Work klafft oft eine Lücke.

Das Für: Freiheit, Sinn, Vertrauen

New Work hat ohne Zweifel viele starke Argumente auf seiner Seite. Es steht für Vertrauen, Eigenverantwortung und Sinnorientierung – Werte, nach denen sich viele Beschäftigte sehnen. In Zeiten von Fachkräftemangel und steigendem psychischem Druck am Arbeitsplatz ist es ein zukunftsweisender Ansatz, Arbeit gesünder, menschlicher und flexibler zu gestalten.

Wer New Work ernst nimmt, stärkt nicht nur Motivation und Kreativität, sondern schafft auch Räume für psychische Gesundheit. Mitarbeitende, die Gestaltungsspielraum haben, empfinden weniger Stress und übernehmen Verantwortung für ihre Arbeit – weil sie sich als Teil eines Ganzen fühlen.

Das Wider: Überforderung durch Freiheit

Aber Freiheit ohne Klarheit überfordert.Gerade in meinen Seminaren höre ich immer wieder, dass Führungskräfte sich allein gelassen fühlen: „Wie führe ich Teams, die selbstorganisiert arbeiten sollen?“ oder „Wie halte ich den Betrieb am Laufen, wenn alle ihre eigenen Wege gehen?“

New Work verlangt eine neue Haltung – aber auch Strukturen, die Sicherheit geben. Ohne klare Kommunikation, ohne Grenzen und ohne gegenseitiges Vertrauen entsteht schnell Frust statt Freiheit. Dann wird das, was als Entlastung gedacht war, zum Stressfaktor – für alle Beteiligten.

Zwischen Ideal und Alltag

Das Konzept New Work ist kein fertiges Modell, das man einfach übernehmen kann.Es ist ein Prozess.Und dieser Prozess beginnt mit ehrlichen Fragen:Was passt zu unserer Organisation?Was brauchen unsere Teams, um gesund und leistungsfähig zu bleiben?Und wie viel Freiheit tut uns wirklich gut?

Ich bin überzeugt: New Work kann gelingen – wenn Unternehmen es nicht als Trend, sondern als Haltung verstehen.Eine Haltung, die Raum für Menschlichkeit schafft, ohne die Verantwortung aus den Augen zu verlieren.

Fazit:New Work ist kein Entweder-oder. Es ist ein Sowohl-als-auch – zwischen Vertrauen und Struktur, zwischen Selbstbestimmung und Fürsorge, zwischen Freiheit und Verantwortung.

 
 
 

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